Ergänzung 1.13: Halbleiterfotodioden (1/4)
Halbleiterdioden
Halbleiterdioden, zu denen auch die Fotodioden gehören, bestehen meist aus dem vierwertigen Silizium. Durch die Beigabe von Fremdatomen lässt sich die Stromleitung gezielt beeinflussen. Mit fünfwertigen Elementen erhält man einen Überschuss frei beweglicher Elektronen im Halbleiter. Mit dreiwertigen Elementen ergibt sich ein Defizit an Elektronen; die fehlenden Elektronenplätze können durch benachbarte Elektronen aufgefüllt werden; die dadurch frei werdenden Plätze wandern durch den Halbleiter wie Elektronen mit einer positiver Ladung, sie werden Defektelektronen genannt. Die Beigabe solcher Elemente wird als Dotierung bezeichnet: fünfwertige Elemente ergeben eine n-Dotierung, n weist auf die freien Elektronen mit negativer Ladung hin. Dreiwertige Elemente ergeben eine p-Dotierung wegen der frei beweglichen Elektronenlücken mit positiver Ladung.
Erzeugt man beide Dotierungen in unterschiedlichen Bereichen des gleichen Kristalls und kontaktiert beide Bereiche mit Drähten, erhält man eine Halbleiterdiode mit dem rechts gezeigten Symbol. Die p-dotierte Seite bildet die Anode, die n-dotierte Seite die Kathode. Wird der Pluspol einer Spannungsquelle an der Anode und der Minuspol an der Kathode angeschlossen, ist die Diode für Strom durchlässig (Durchlassrichtung), bei umgekehrter Polarität sperrt sie den Strom (Sperrrichtung). Für eine ausführliche Erklärung der physikalischen Zusammenhänge muss hier auf die Literatur zur Halbleiterphysik verwiesen werden.
Ein idealisiertes Modell der Halbleiterdiode führt zu einer Strom-Spannungs-Charakteristik (Kennlinie) mit einem exponentiellen Verlauf. Dies ist die Shockley-Gleichung
die den Zusammenhang zwischen dem Diodenstrom und der Spannung an der Diode beschreibt. Die Grafik in der rechten Spalte zeigt diesen Verlauf.
Für hinreichend negative Sperrspannungen geht die e-Funktion gegen Null und es wird . Die Größe ist ein Sperrstrom, der für Dioden aus Silizium etwa 10 pA beträgt und zu einem negativen Diodenstrom in gleicher Höhe führt. Er ist temperaturabhängig und steigt exponentiell mit wachsender Temperatur. Für Fotodioden kann daher kühlen nützlich sein, um den Dunkelstrom bei Messungen geringer Helligkeiten klein zu halten.
Die Größe wird als Temperaturspannung bezeichnet, da gilt: , mit der absoluten Temperatur , der Boltzmann-Konstante , und der Elementarladung . Bei Raumtemperatur ist .
Ein Stromfluss in Durchlassrichtung erfordert eine Mindestspannung (die Durchlassspannung), die vom Typ des Halbleiters abhängt; für Silizium beträgt sie etwa 0,7 V. Die Kennlinie ist auch in Durchlassrichtung von der Temperatur abhängig: sie verschiebt sich um etwa 2 mV nach links pro Grad höherer Temperatur. Dioden sollen daher nicht mit konstanten Durchlassspannungen betrieben werden: bei steigender Temperatur würde der Diodenstrom wachsen, was wiederum zu höheren Temperaturen und in der Folge weiter steigendem Strom führt, mit dem Ergebnis einer sich thermisch selbst zerstörenden Diode.
Die Kennlinien realer Dioden können von diesem idealisierten Verlauf deutlich abweichen:
- Ohmsche Widerstände des Halbleiters werden in der Shockley-Gleichung nicht berücksichtigt. Bei Leistungsdioden und für hohe Ströme ist wegen dieser Widerstände eine größere Durchlassspannung erforderlich.
- Der Sperrstrom realer Dioden beträgt bei Raumtemperatur tatsächlich etwa 10 nA, bei 100°C etwa 10 μA und wird auch mit zunehmender Sperrspannung größer. Beides wird durch Oberflächendefekte des Halbleiters hervorgerufen: der Rand des Kristalls ist immer eine Störung des Kristallgitters.
Die dargestellten Eigenschaften treffen in gleicher Weise auch auf Fotodioden zu. Fotodioden werden ebenfalls in Sperr- und in Durchlassrichtung betrieben. Silizium ist für Messungen im sichtbaren Bereich besonders geeignet. Für das Ultraviolett von 200 bis 400 nm eignet sich Siliziumkarbid (SiC). Im nahen Infrarot werden Germanium (Ge) und der ternäre Halbleiter Indium-Gallium-Arsenid (InGaAs) genutzt, im mittleren Infrarot Bleisulfid (PbS). Die elektrischen Eigenschaften der Dioden aus diesen Materialien unterscheiden sich vom Silizium, aber sie besitzen ebenfalls eine Diodencharakteristik.
