1. Wie beeinflussen Meeresströmungen unseren Alltag? (4/4)

Auswirkungen auf das regionale Klima

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Meeresausblick zum antarktischen Gletscher
Sommer in Mawson, Antarktis, ungefähr auf dem 67°S. Foto: Ray Hegarty

 
Warum so unterschiedlich?

Rechts sind Sommerbilder von drei verschiedenen Orten zu sehen, jedes Bild wurde in der Nähe des 70. Breitengrads aufgenommen.

Innerhalb eines Jahres bekommen die Orte etwa die gleiche Menge Sonnenlicht in der obersten Schicht der Atmosphäre. Trotzdem sind die Klimaverhältnisse sehr unterschiedlich.

Wie kommt es zu diesem Unterschied?

Tipp

Das Wasser spielt eine wichtige Rolle

Die Rolle der Ozeane in unserem Klima und die außergewöhnliche Eigenschaft des Wassers, Wärme zu speichern, hängen eng miteinander zusammen.

Aufgrund der hohen latenten Wärme und spezifischen Wärme des Wassers werden durch die Wasserbewegungen auf der Erdoberfläche auch große Mengen Energie transportiert.

Mehr über die Wärmekapazität von Wasser

Das maritime Klima

Die hohe Wärmekapazität des Ozeans wirkt wie ein Puffer gegen extreme Temperaturveränderungen. Aus diesem Grund hat maritimes Klima niedrigere Maximalwerte und höhere Minimalwerte als das Festlandklima.

Wasserdampf ist ein starkes Treibhausgas; deshalb wirkt die hohe Luftfeuchtigkeit über dem Meer wie eine Decke, die verhindert, dass nachts die aufgespeicherte Wärme ins Weltall entweicht.

Warme Strömungen geben Energie an die Luft ab, entweder direkt oder als in Wasserdampf eingeschlossene Wärme. Aus diesem Grund ist ablandiger Wind in Ländern, die im Bereich warmer Strömungen wie etwa dem Golfstrom liegen, viel wärmer und feuchter als in anderen Ländern auf dem gleichen Breitengrad.

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Der große Fluss schlängelt sich durch ein Waldgebiet; in der Ferne sind Wolken und ein Regenschauer zu sehen
Der Fluss Limpopo in Mosambik.

In mittleren Breitengraden tritt dieser Effekt im Winter besonders häufig auf. Wärme und Feuchtigkeit wird von der Strömung in die Atmosphäre freigesetzt und erzeugt Nebel oder Nieselregen, wenn die warme Seeluft über dem Land abkühlt.

Im Allgemeinen ist das Klima tropischer und subtropischer Länder in der Nähe warmer Strömungen heiß und feucht. Vorherrschende Seewinde bringen Stürme, mit hoher Luftfeuchtigkeit und begleitet von schweren Regenfällen und hoher Überflutungsgefahr.

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Nebelverhüllte Dünnen in der Namibwüste
In der Wüste Namib ist Nebel die hauptsächliche Ursache für Feuchtig- keit. Quelle: USGS/Georg Gerster

Andererseits haben Länder, die in der Nähe kalter Strömungen liegen, ein kühleres, trockenes Klima.

Bei Warmperioden wird Nebel von heisser Landluft erzeugt, die in Meerrichtung aufsteigt, wo sie dann langsam abkühlt. In der Küstenregion der Wüste Namib in Südafrika nahe des Benguelastroms kömmt die meiste Feuchtigkeit durch diese Art von Nebel zustande.

Sommer auf dem 70. Breitengrad

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Kahler, sandiger Strand mit schneebeeckten Hügeln im Hintergrund, keine Vegetation.
Sommer in Scoresbysund, Grönland, ungefähr auf 70°N. Foto: Georg Gollman
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Schmallblättriges Weidenröschen auf einer grünen Wiese bei einem Fjord, in der Ferne eine Insel. Kein Schnee noch Eis.
Sommer auf Vanna, Norwegen, ungefähr auf 70°N. Foto: blackone


Saisonale Wettervorhersagen

Im Allgemein ist es nicht möglich, das Wetter länger als ein paar Tage im Voraus vorherzusagen. Dennoch können mit Hilfe von Informationen über den Ozean brauchbare mittelfristige Prognosen einige Monate im Voraus erstellt werden.

Langsame Temperaturschwankungen der Meeresoberfläche beeinflussen das Wettergeschehen weltweit. Diese Schwankungen können ziemlich ganau vorhergesagt werden, sogar bis zu sechs Monate im Voraus, bevor eine Anomalie in der Oberflächenströmung eintritt.

Daten über Meeresströmung und -temperatur stehen für numerische Modelle zur Verfügung. Solche Modelle werden zum Erstellen saisonaler Prognosen über das Durchschnittswetter, das in einer größeren Region zu erwarten ist, benutzt. Die Prognosen sagen uns, ob die zu erwartende Temperatur oder Niederschlagsmenge über oder unter dem Mittelwert liegt.

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Während des El Niňo-Phänomens im Jahr 1997 lag die Meereshöhe in den östlichen Tropengebieten des Pazifiks über dem normalen Mittelwert. In 1999 kehrte sich dieses Muster um, wonach La Niňa-Bedingungen herrschten
Während des El Niňo - Phänomens im Jahr 1997 lag die Meereshöhe in den östlichen Tropengebieten des Pazifiks über dem normalen Mittelwert. In 1999 kehrte sich dieses Muster um, wonach La Niňa - Bedingungen herrschten.
Quelle: NASA-JPL.

Saisonale Vorhersagen für Europa sind erst in der Testphase und ihre Zuverlässigkeit ist ziemlich gering. In den Tropen ist die Zusammenwirkung zwischen dem Muster der Wassertemperatur und den saisonalen Wettertrends viel stärker. Aus diesem Grunde sind saisonale Prognosen in den Tropen zuverlässiger, besonders in Jahren mit ausgeprägtem El Niňo- oder La Niňa-Phänomen.

Satellitenmessungen über Anomalien in der Meereshöhe (Abweichungen von der Durchschnittshöhe) ermöglichen uns, die Schwankungen im tropischen Pazifik zu überwachen und das Auftreten von El Niňo vorherzusagen.

Mehr über die Auswirkungen von El Niňo und La Niňa